November 2007 Neueröffnung im Bahnhof Wixhausen

Schon vor längerer Zeit wurde der Arheilger KUNSTFABRIK e.V. von der Stadt mitgeteilt, dass ihr gemietetes Gebäude einer Neugestaltung der Frankfurter Landstraße zum Opfer fallen wird.

Dankenswerterweise hat sich das Kulturamt Darmstadt sehr bemüht, die KUNSTFABRIK bei ihrer Suche nach neuen Räumen zu unterstützen. Anfang 2005 wurde schließlich dem Verein das unter Denkmalschutz stehende Gebäude des alten Wixhäuser Bahnhofs angeboten. Dieser war außer einem Lagerraum seit längerem nicht mehr genutzt und konnte anscheinend seinem ursprünglich geplanten Zweck nicht zugeführt werden. Glücklicherweise ist der Bau für die KUNSTFABRIK gut geeignet. Allerdings musste sich die Sanierung auf das Notwendigste beschränken, weshalb z.B. Keller und Dachboden nicht genutzt werden können.

Leicht fällt es nicht, die verwunschene Oase der alten KUNSTFABRIK in der Frankfurter Landstraße 173 zu verlassen. Der Holzbau war siebzehn Jahre lang ein Ort der Möglichkeiten, des Rückzugs und des künstlerischen Schaffens, aber auch der Auseinandersetzung für Mitglieder und Interessierte.

Die Künstlerin Richmodis du Mont, Gründerin des Vereins, formulierte 1988 die Leitlinien für die künstlerische Arbeit: „Die Arheilger KUNSTFABRIK soll ein Ort werden, an dem eine aktive Auseinandersetzung möglich ist über das, was Kultur bedeuten kann und soll. In gemeinsamer praktisch-bildnerischer Arbeit mit jedem, der mitmachen möchte, wollen wir versuchen, Nachdenklichkeit wach zu halten oder zu wecken.“

Die umfangreichen halbjährigen Werkstattprogramme der ersten Jahre weisen hin auf ein intensives Arbeiten mit Kindern und Erwachsenen im kunstpädagogischen Bereich. So wurden unter anderem Kurse zu den Themen „Werkstatt für plastisches Gestalten“, „Ein Raum für mich “, und „Malen mit und von Sinnen“ durchgeführt. Dank des Arbeitseinsatzes ehrenamtlicher Mitarbeiter, einer entsprechenden Anzahl von Kursleitern und zweier ABM-Beschäftigten, konnten manchmal bis zu zwanzig durchlaufende Angebote im Halbjahr realisiert werden.

Einige Jahre später wurden neue Schwerpunkte erarbeitet und in einem Positionspapier niedergelegt. Darin heißt es: „…die Arheilger KUNSTFABRIK setzt eine Definition von Kunst, die ihre gesellschaftlichen und kulturellen Bezüge wie Positionen reflektiert. “ Weiter wird die Bereitschaft vorausgesetzt, „… die eigene Arbeit oder Arbeitsweisen immer wieder vor diesem Hintergrund zu überdenken,…eigene Standpunkte kritisch zu entwickeln und künstlerisch zu formulieren.“ Das Kursprogramm wurde größtenteils abgelöst durch längerfristig zusammenarbeitende Gruppen. Dadurch wurde eigenem künstlerischen Schaffen mit dazugehörigen Ausstellungsmöglichkeiten mehr Raum gegeben. Zwei Arbeitsgruppen- k`IN und fishing for art- gründeten sich, in denen auch die Bereiche Text und Musik vertreten sind: die Künstlerinnengruppe für Öffentlichkeitsarbeit k`IN, die bereits mit ihrem ersten Projekt „Kunst herrenlos“ über die Grenze der Kunstfabrik hinausging und an herrenlosen Orten in Heidelberg, Maastricht, Stendal und Frankfurt arbeitete und ausstellte. Das nächste Projekt „Positionen“ wird vom 30.Mai – 28.Juni 2008 in einer Maschinenbauhalle der Firma Schenck stattfinden. Die neun Künstlerinnen von „fishing for art“ treffen sich seit 1990 in regelmäßigen Abständen, um umfassende Themen wie z.B. „Rhythmik/Ornament“ zu bearbeiten. Jede geht dabei ihren eigenen Weg; gemeinsam ist ihnen das prozesshafte Arbeiten. Der wechselseitige Einblick in die Werke unterstützt die Entwicklung neuer Kriterien zur Weiterarbeit.

Im weiteren soll die Kunstfabrik ein öffentliches Forum für aktuelle Kunst sein. Gelegenheit zum Austausch zwischen Kunstinteressierten und Künstlern boten bislang die regelmäßigen Zusammentreffen beim Künstlerfrühstück oder die Diskussionsrunden der Veranstaltungsreihe „open house“, ebenso die Konzerte des „Vereins für Experimentelle Musik“. Der „Verein für Experimentelle Musik Darmstadt e.V.“, gegründet 1992 von Hans Essel, veranstaltete im Laufe der Jahre über 80 Konzerte mit 70 Künstlern in den Räumen der KUNSTFABRIK. Die Besonderheit, dass Musiker ihre Arbeiten selbst vorführen und zur Diskussion stellen (ohne Einschaltung von Interpreten), ergänzt diese Konzeption der Kunstfabrik.

Zur Eröffnung der neuen Räumlichkeit im renovierten Wixhäuser Bahnhof am Samstag, den 10.November 2007, um 17 Uhr, werden Werkstücke der Gruppe „fishing for art“ zu sehen sein. Es ist die Gelegenheit gegeben, mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. Ab 19 Uhr finden kurze Vorführungen mit Text, Bild und Ton statt.